Am Freitag, dem 26. Juni 2026, stellten sich Wolfgang Lampl, Jürgen Brunner und Christian Prattes um kurz vor 23:00 Uhr mit 1.488 anderen Läufer zur Startaufstellung des Lavaredo Ultratrail 120K mit 120 Kilometern und 5.800 Höhenmetern auf. Die ersten einigen Hundert Meter durch Cortina lief das Feld durch eine tobende Menschenmenge. Eine erste Erfahrung, die einem wohl lange in Erinnerung vom LUT bleiben wird.
Kaum aus dem Ortszentrum von Cortina draußen, ging es auch schon bergauf. Dicht an dicht gereiht riss die Schlange an Sportlern nicht ab und man versuchte dennoch, in einen eigenen Rhythmus zu kommen. Was aber oft ein Versuch blieb, weil die Trails schmal und die Menschen viele waren. Da ist es vielleicht doch von Vorteil, wenn man sich weiter vorne einreiht.
Für die routinierten Ultratrailer Jürgen und Wolfi war das aber kein großes Thema. Christian setzte sich immer wieder mal ab und wurde bei den Labestationen wieder eingeholt. Das setzte sich die ersten etwa 40 km so fort. Ab da wurde es für Christian aber bereits schwierig. Müdigkeit, das Gefühl, keine Energie zu haben, und eine falsche Unterhose machten sich bei ihm bemerkbar. Bei den atemberaubenden Drei Zinnen trafen sich die drei wieder. Wolfi und Jürgen nutzten die Chance bei der Lavaredo-Hütte für eine extra Labe ganz im Sinne von Genusstrailern. Christian verzichtete und genoss so die Landschaft und versuchte, Meter zu machen – horizontal wie vertikal.
Nachdem Jürgen und Wolfi Christian am Weg zur DropBag-Labestation am Passo Cimabanche wieder überholt hatten, trafen sie sich dort nochmals. Gemeinsam wurde etwas gegessen, umgezogen und gerastet. Christian nahm sich etwas mehr Zeit und Jürgen und Wolfi machten sich auf den Weg in die zweite Hälfte des Rennens.
Landschaftlich folgte weiter ein Highlight dem anderen. Wundervolle Bergkulisse, traumhafte Trails im Up- und Downhill, die bestimmt viel Spaß machen, wenn man genügend Kraft und Energie hat, sie wirklich flott zu laufen. Heiß war es auch. Zum Glück führten viele Bäche Wasser und so konnte man sich immer wieder gut abkühlen. Und irgendwann zog es auch noch zu und Donnergrollen schallte durch die Täler. Jürgen und Wolfi erwischte sogar etwas Hagel, Christian kam mit ein wenig Regen zumindest von oben recht trocken durch. Einige Kilometer Schlamm waren dann aber schon die Konsequenz des Regens (und hunderter Läufer), die zusätzlich Kraft und Aufmerksamkeit forderten.
Bergauf musste Christian alle paar Hundert Höhenmeter immer wieder mal pausieren. Keine Energie. Ganz klar nicht sein Tag – retrospektiv zeichnete es sich ja schon vor dem Start ab. Und auch bergab oder auf der Geraden: Es ist echt bitter, wenn es einfach nicht läuft.
Jürgen und Wolfi beendeten das Rennen nach etwa 24,5 Stunden im Ziel. Für die beiden war es ein Genusstrail in grandioser Kulisse. Christian kam etwa eine Stunde später im Ziel an. Enttäuscht über seine sportliche Leistung, aber doch stolz, durchgezogen zu haben... und es wäre auch wirklich um fast jeden Kilometer schade gewesen, ihn nicht zu erleben.
Wie so oft bei (Ultra-)trail Rennen: die Veranstallter wissen schon, wo sie die Menschen hinführen. Und das ist auch um Cortina nicht anders. Es es einfach großartig, was man da an Eindrücken an einem Tag erleben kann. Gleichzeitig wissen und suchen das aber auch Tausende andere Sportler gleichzeitig. Die Größe so einer Veranstaltung muss man auch mögen - alleine ist man da nie auf den Trails. Das muss jeder für sich selbst bewerten wie er damit umgeht.
Besonders schön war ja, dass viele Trailläufer außerhalb des Rennens auf den Trails entgegen kamen - und das bei Tag wie in der Nacht.
Text: Christian Prattes